Einmal kurz nicht aufgepasst…

Einmal kurz nicht aufgepasst…

Es war mal wieder Zeit für den Gantrisch Panoramaweg. Genauer gesagt Zeit für den Anfang des Gäggerstegs. Schon seit ich zum ersten mal dort war, wusste ich genau, dass ich irgendwann einmal von einem bestimmten Punkt aus fotografieren würde. Ich musste lediglich auf passendes Wetter warten. Einen feuchtheissen Tag zum Beispiel, der unweigerlich Wärmegewitter über den Bergen erzeugen würde. Die feuchtwarme Luft würde an den Bergen entlang aufsteigen und sich dadurch immer weiter dem Taupunkt nähern, irgendwann Wolken über den Bergen erzeugen und mit etwas Glück das genau dann tun, wenn die Sonne untergeht.
Mir war also klar wo ich fotografieren möchte, in welche Richtung, und welches Wetter herrschen muss, damit ich das gewünschte Bild machen kann.
Also wartete ich.

Vor kurzem war es dann soweit. Bereits gegen Mittag entwickelten sich die ersten Quellwolken über den Bergen der Region Gantrisch. Und gegen Abend hin wurden sie nicht kleiner wie sonst so oft, sondern wurden gar noch grösser, entwickelten sich zu aktiven Gewitterzellen. Und im Westen? Sonnenschein und ein paar Wolkenfetzen. Gute Voraussetzungen. Also ging es los, hinein in die Berge.

Gantrischregion

Der Platz war schnell und ohne Probleme erreicht. Und wie immer ging es dann natürlich darum, den bestmöglichen Platz fürs Stativ zu finden. Ich hatte all die Zeit über das Gefühl, es sei alles was man im Vorfeld planen konnte tatsächlich geplant und bedacht worden. Doch dann wurde ich von diesem irrigen Gefühl der Sicherheit befreit.
Der Boden bestand aus Heidelbeersträuchern und darunter? Moos. Viel Moos. Der gesamte Boden war sehr weich und federnd. Ich dachte mir erst, hey kein Problem, ich stecke das Stativ einfach in den Boden. Aber funktionierte das?
… Es funktionierte natürlich nicht. So stand ich da mit der Kamera auf dem Stativ und suchte nach einem möglichst stabilen Ort, doch weit und breit wollte sich kein solcher finden lassen. Einige umgestürzte Bäume die schon seit 1999 da lagen, und dazwischen weit und breit nichts anderes als Moos, morsche, federleichte Baumstümpfe und noch mehr Moos unter Heidelbeeren.
Also fand ich mich mit der Situation ab, stellte das Stativ so gut es ging irgendwo auf, befestigte den Fernauslöser auf dem Blitzschuh (Yongnuo RF603C II Wireless Flash Trigger, als Sender und Empfänger nutzbar und benötigt keinen Sichtkontakt, ich finde die Dinger sehr angenehm! Besitzen allerdings keine Feststellmöglichkeit des Auslösers), stellte die Spiegelvorauslösung ein, den kamerainternen Timer auf 2s Verzögerung… Und ging weg. Weit weg. Setzte mich auf einen Baum und wartete.
Wartete auf das Licht, auf schöne Wolkenformationen, auf hübsch beleuchtete Berge.

Gewitterzellen über dem Gantrisch

Und während ich da so sass, mit Blick auf den Gantrisch,  und ab und zu den Fernauslöser betätigte, regneten sich die Ausläufer der Gewitterzelle über Boltigen etwas aus. Und ich wartete weiter.
Irgendwann fiel mir auf, dass der Polfilter ein paar Tropfen abbekommen hatte, also näherte ich mich ganz vorsichtig und befreite ihn davon.

Was mir nicht auffiel: Der Untergrund war derart instabil, dass sich das Stativ immer mal wieder bewegte. Seis durch Schritte in einer gewissen, gefühlt sicheren Entfernung, durch Wind oder vielleicht auch einfach so durchs Eigengewicht.
Das Ergebnis davon?

gg03c

Keine zwei Bilder sind wirklich deckungsgleich. Und es fiel mir natürlich erst zuhause am Rechner auf – nicht während ich noch im Gantrisch unterwegs war. Ich versuchte danach stundenlang eine ganz gute Deckung zu erreichen… Erfolglos.

Es ist nicht so, dass mir weiche Untergründe so fremd wären. Oder ich im Normalfall nicht daran denken würde. Aber es braucht eben nicht immer wackelige Brücken, Stege oder viel Wind, damits unscharf wird. Ich dachte, aus 10m Entfernung sei das kein Problem. Tja, war es doch.

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