Nebel statt Sonne

Nebel statt Sonne

Eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes machen, nicht Nebel fotografieren… So oder so ähnlich fangen vermutlich viele Fotografen an, wenn es darum geht, wie manch ein Foto entstanden ist. Und so fange ich nun ebenfalls an.

Denn eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes machen. Als ich aufstand, schaute ich aus dem Fenster und sah Sterne – der Himmel war frei, keine Wolke in Sicht. Also bereitete ich mich darauf vor, an den nahegelegenen Murtensee zu fahren und dort nach einem bestimmten Baum zu suchen. Ich war noch nie dort, aber durch die Vorbereitung mittels Google Earth, usw. wusste ich genau wo er liegt. Es hiess also nur noch rechtzeitig hinkommen, den Baum finden, einen guten Blickwinkel finden, die Kamera auf dem Stativ befestigen… Und dann mehr oder weniger zurücklehnen bis zum Sonnenaufgang.

Doch dann, als alles eingepackt war, inklusive mir selbst… War weit und breit kein blauer Himmel mehr zu sehen. Wolken über Wolken, eine geschlossene, graue Decke die das noch spärliche Licht des nahenden Sonnenaufgangs schluckte.

Nach einigem Zögern entschied ich mich dazu, mich wenigstens vor Ort umzusehen.
Inzwischen am Murtensee angekommen, fand ich mich in dichtem Nebel wieder. Etwas, womit ich an diesem Morgen nicht gerechnet hatte, und mich deswegen umso mehr freute.

Der gesuchte Baum war schnell gefunden. Aber irgendwie zog es mich weiter. Und aus Erfahrung weiss ich, dass ich darauf hören sollte.

Nebel beim Baum in Salavaux

 

Deswegen liess ich den Baum hinter mir und ging weiter durch den Nebel; suchte nach noch unbekannten spannenden Orten.

Ich folgte dem Weg durch den Auwald am Rande des Murtensees, schaute den ersten im reifbedeckten Laub grabenden Amseln zu, betrachtete ein Eichhörnchen, das links von mir von Baum zu Baum sprang, und bog schlussendlich in einen Weg ein, der mich durch den Auwald hindurch führte.

Im Wald am Ufer des Murtensees

 

Da draussen ist man nun mal von nichts so abhängig wie vom Wetter. Hat sich das Wetter umentschieden, muss man sich ebenfalls daran anpassen, umdenken und manchmal kurzfristig umentscheiden.
Gedanklich war ich anfangs beim Baum am See, hatte bereits ein klares Bild vor Augen, wie es vermutlich aussehen würde, sobald die Sonne aufginge. Vom See wären vermutlich Dunstschwaden aufgezogen, hätten dann über dem See – wenig Wind vorausgesetzt – eine feine Nebelschicht erzeugt, welche im Sonnenlicht geleuchtet hätte… Aber schlussendlich empfand ich die Felder hinter dem Auwald als deutlich spannender. Das gedämpfte, frühmorgendliche Licht im Nebel, der Reif auf den abgestorbenen, braunen Pflanzen und deren übriggebliebenen, aufragenden Samenständen… Das alles funktionierte an diesem Morgen deutlich besser. Man sollte sich niemals stur auf die eine Idee versteifen. Sonst läuft man Gefahr, frustriert zu sein wenn sich das Wetter oder sonst etwas ändert, und dadurch würde man all die anderen Möglichkeiten übersehen, die dafür in diesem Moment deutlich stärker hervortreten.

 

Nebel an der Landstrasse

 

Oft genug braucht man sich dann lediglich umzudrehen um festzustellen, dass das Motiv da hinten auf einen wartet, und erst in diesem Wetter richtig hervortritt und zur geltung kommt.

Ich bin der Ansicht, dass es für jeden Ort einen Moment gibt, welcher diesen Ort möglichst optimal zeigt und man dadurch mit einem guten Foto nach Hause gehen kann. Es gibt keine “schlechten” Orte. Allerdings ist die Häufigkeit der optimalen Momente nicht gleichmässig verteilt. Während manche Orte allein schon durch ihre Umgebung nahezu ständig solche optimalen Momente erleben, kann es bei anderen Orten schwierig sein. Vielleicht so schwierig, dass dieser kurze, perfekte Moment lediglich ein einziges mal im Jahr da ist. Oder gar noch seltener…

 

Nebel in einem Feld bei Salavaux

 

Nebel in einem Feld bei Salavaux

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