Inseln im Nebel

Inseln im Nebel

Mitten im Greyerzersee im Kanton Freiburg befindet sich eine kleine Insel. Vor vielen Jahrhunderten, als der Flusslauf der Saane noch nicht gestaut war und der See noch nicht existierte, war sie lediglich eine kleine Halbinsel in einer Flussbiegung. Dann kamen die Menschen, teilten das Land; wollten darüber herrschen. Und um diese Herrschaft zu unterstreichen, bauten sie Burgen… Als sich das 13. jahrhundert langsam aber sicher in seinem letzten Drittel angelangt war, wurde auf dieser kleinen Halbinsel ebenfalls gebaut. Doch anders als sonst meist, wurden hier zwei mehr oder weniger identische Gebäude errichtet – zwei Türme mit jeweils daran angeschlossenem Wohnbereich. Und wie die nutzbare Fläche auf dieser Halbinsel, wurde auch generell die Herrschaft der Umgebung geteilt.

Lange Zeit später gesellte sich eine kleine Kapelle hinzu. Und als das Greyerzerland im Jahre 1948 frühsommerlich aufblühte, wurde aus der Halbinsel eine vollständige Insel im neu entstandenen Greyerzersee, komplett von Wasser umgeben und nur noch zu Fuss erreichbar, wenn der Wasserspiegel im Frühjahr stark herabgesetzt ist.

 

Ich wollte sie schon lange fotografieren. Aber wie das so ist – man denkt über passendes Wetter nach, entwickelt irgend eine (diffuse) Vorstellung davon, wie es auszusehen hat… Und dann stellt man fest, dass man zu weit weg ist, um dieses passende Wetter sicher zu erwischen. Also heisst es entweder mehr oder weniger auf gut Glück hinfahren und nachsehen, ob das Wetter passt… Oder eben nicht hinzufahren und es bleiben zu lassen.

Als ich erstmals am Ufer des Greyerzersees stand, um die Turmruinen auf der Ile d’Ogoz zu fotografieren, war das Wetter… Schwierig. Der Wind pfiff mir um die Ohren, riss mir immer wieder die Kapuze vom Kopf, damit der von vorne über den See wehende Regen mir nahezu frontal und ungehindert ins Gesicht peitschen konnte. Graufilter zu gebrauchen war ausgeschlossen, da wäre schon ein grosser Regenschirm notwendig gewesen, den es ohnehin gleich umgeknickt und weggeweht hätte. Ausserdem hatte ich sowieso keinen dabei und schon genug Schwierigkeiten damit, die Kamera auf dem nasskalten Stativ zu befestigen, ohne dass die von der Nässe und Kälte steifen Finger irgend einen Fehler machen, und sich die Kamera mit einem beherzten Sprung vom Stativ direkt in den See verabschiedet.

Ile d'Ogoz im Greyerzersee

 

Ausgekühlt und Nass trat ich schon sehr bald wieder den Rückweg an. Und so sollten viele Monate vergehen, bis ich wieder dort stand.

Vor ein paar Tagen dann war ich auf dem Rückweg nach Hause, als ich hinunter zum See blickte und die darüberhängende Nebelschicht im Licht der frisch über den Voralpen aufgegangenen Sonne sah. Da war er plötzlich, ganz unerwartet. Der Moment, auf den ich gewartet hatte… Das richtige Licht. Und ich war sogar gerade vor Ort. Und so beeilte ich mich, rechtzeitig unten am Seeufer zu sein. Der Weg über die verschneite Wiese hingegen gestaltete sich noch als schwierig – der liegende Schnee war noch schlimmer als Sand. Nach höchstens zwei gefühlt endlosen Minuten stand ich wieder am selben Ort wie vor vielen Monaten schon. Doch diesmal war alles um mich herum verschneit und zugefroren. Der Eispanzer knirschte unter meinen Schritten, und überall am Ufer knackte das in den See hinausragende und ihn teilweise bedeckende Eis. Und vor mir, mitten im hell erleuchteten Nebel… Die zwei aufragenden Türme auf der Ile d’Ogoz.

 

Ile d'Ogoz im Greyerzersee

 

Doch nicht nur diese Insel zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Da draussen im See war noch eine andere, kleinere und unbebaute Insel mitten im Greyerzersee zu sehen.

Vom See stiegen langsam Dunstschwaden auf, um sich etwas höher mit dem bereits bestehenden Nebel zu verbinden, während das Licht der Sonne genau über der Insel einen Weg nach unten fand.

 

Nebelinsel im Greyerzersee

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