Am Meer

Am Meer

Da stand ich nun also an der Küste, vor mir der schlammige, vom zurückgewichenen Wasser freigelegte Grund. Weiter draussen, wo noch Wasser war, tummelten sich diverse Wasservögel, während es direkt um mich herum eher still war. Das Leben folgte dem Wasserstand und verlagerte sich ebenfalls weiter hinaus.

So sass ich auf den inzwischen trockenen Felsen, genoss die wärme der Anfang Februar noch milden Sonne… Und sofort war mir klar – an diesem Abend würde ich wieder genau da in Marin stehen. Dann, wenn sich die Sonne langsam senkt und im Westen verschwindet… Und sich der Himmel in den schönsten Orange- und Rottönen verfärbt.
Denn das Wetter versprach einen herrlichen Sonnenuntergang. Wolken waren vorhanden, aber nicht zuviele.

Doch vorerst war es Nachmittag.

 

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Dieser leichte Fischgeruch in der Luft, das leise Rauschen des Wassers weiter draussen, die Möwen die umherfliegen oder gefangene Krebse fressen… Auch das Wetter und der stets vom Wasser her wehende Wind erinnern sehr stark ans Meer. Und doch ist es “nur” ein See, wenn auch der grösste innerhalb der schweizer Grenzen liegende See – der Neuenburgersee mit ziemlich niedrigem Wasserstand, bei Marin.

Und während der Sonnenstand immer niedriger wurde, krochen im Westen Wolken über den Jura. Nicht allzu viele, aber an einem sehr ungünstigen Ort. Ich war mir nicht sicher, ob ich noch die richtig intensiven Farbtöne nach Sonnenuntergang sehen könnte, oder ob die Wolken dieses Schauspiel verhindern würden. So galt es abzuwarten und währenddessen die Augen offen zu halten. Und allmählich veränderte sich die Welt um mich herum. Es wurde langsam stiller und kühler, während die Steine noch die Wärme des Tages abstrahlten. Und die Farben der ganzen Umgebung veränderten sich ebenfalls immer weiter hin zu einem rotgoldenen Farbton…

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Doch dann verdeckten die Wolken zuviel, und es wurde sehr schnell grau.

Oftmals verhindern Wolken eine schöne Ausbreitung des Lichts nach Sonnenuntergang, wodurch die ganz tiefen Rottöne und auch die intensiven Orangetöne blockiert werden. Die Farben gehen schnell verloren und der Himmel graut aus.  Was bleibt, ist ein orange-blau-Farbgemisch, das nicht lange anhält und schnell vom Blau der anrollenden Nacht dominiert wird.

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Inzwischen verabschiedete ich mich innerlich bereits vom restlichen Sonnenlicht, beobachtete die letzten langsam verblassenden Farben, und war kurz davor meine Sachen zu packen und mich auf den Rückweg zu begeben. Doch manchmal passieren selbst dann unvorhergesehene Dinge, wenn man glaubt, man habe alles im Blick.

Und so war es an diesem Abend in Marin. Von meinem Standpunkt aus nicht sichtbar entstand ein Wolkenloch, und als die Sonne tief genug stand, schien das restliche, tiefrote Licht genau durch diese Wolkenöffnung hindurch.

Die inzwischen strukturlos blaugrau gewordene Unterseite der Wolken begann in schönsten Rottönen zu glühen, quasi von einer Sekunde zur nächsten.

Solche Momente sind natürlich nicht vorherzusagen. Und sie sind gar nicht so selten wie man vielleicht denkt. Das wird man dann feststellen, wenn man trotz pessimistisch stimmendem Wetter vor Ort bleibt und die Farben geniesst. Weil manchmal… Öffnen sich genau solche Lücken, und der ganze Himmel brennt für einen kurzen Augenblick.

 

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