Frühjährlicher Tatendrang

Frühjährlicher Tatendrang

Das Wetter ändert sich zusehends. Momentan fegen bei strahlendem Sonnenschein warme Winde über die Westschweiz, als würde der Frühling mit aller Kraft den Winter vertreiben wollen und ihn selbst aus den hintersten Winkeln hinfortjagen.
Die Schneeglöckchen stehen in voller Blüte, Krokusse schieben sich langsam nach oben, die sehr hoch am Himmel vorbeiziehenden, dünnen Eiskristallwolken schimmern im hellen Sonnenlicht, während sich die Wiesen schnell vom Schnee erholen und wieder saftig grün werden.
 
Und so nimmt die Unternehmungslust wieder stark zu. Allzu schnell gibt man diesem aufkeimenden Tatendrang nach und will dann bereits die Dinge tun, die erst deutlich später im Jahr möglich sind. Also heisst es, sich der Geschwindigkeit der Natur anzupassen und nicht zu hetzen. Sonst verzettelt man sich sehr schnell und muss feststellen, dass man – umgeben und angestachelt durch eine schnelllebige Welt und Gesellschaft – wieder einmal einfach zu früh war.
Mit dem aufkommenden, warmen Wetter will ich immer gleich raus. Raus in die Natur, das Wetter geniessen, Sonne tanken (auch wenn ich da etwas im Zwiespalt bin – das angenehmste Wetter ist selten das beste Wetter für Fotos) und hinauf in die Berge. Ich will blauen Himmel sehen, den frischen, warmen Wind spüren und durch grüne Bergwiesen wandern, auf dem Weg durch wundervolle Welten, auf der Suche nach spannenden Motiven.
TurbachtalIm obersten Drittel des Turbachtals, 2015

 

Und anstatt jetzt loszuziehen, auf der Suche nach all diesen wunderbar frühlingshaften und frühsommerlichen Gegenden, die erst in meiner Erwartung existieren und in der Realität noch unter einer dicken Schicht Schnee begraben sind, organisiere ich lieber gemütlich von Zuhause aus all die Abenteuer, die meine jetzt schon aufkommende Abenteuerlust bedienen könnten. Bald.

 

Das bedeutet dann Laptop statt Kamera, Balkon oder Terrasse anstelle von schneebedeckten Hängen. Und in Gedanken suche ich bereits all jene Orte nach guten Plätzen ab, die ich oftmals erst durch Google Earth kenne.

Ich mag diese Zeit. Die Suche nach spannenden Orten ist einer Schatzsuche nicht unähnlich. Nur weitaus realer und die Schätze vielfältiger, manchmal sogar viel näher als ich denke. Dafür bin ich unheimlich froh darüber, in einer vernetzten Welt, bzw. Zeit zu leben. So kann ich zuerst die Schätze finden… Und mir erst später Gedanken darüber machen, wie ich da überhaupt hin komme.

Das Vorgehen ist eigentlich immer das selbe. Eine erste Suche per Google Earth bringt mir bereits gute Informationen darüber, wo ich fündig werden könnte. Dank Satellitenaufnahmen erkennt man meist schon recht schnell, ob man gerade eine Gegend anschaut, nach der man Ausschau hält. Durch genaueres Suchen nach diesen Gegenden finden sich Fotos und Texte, vielleicht sogar Videos aus der Umgebung. Und so lässt sich Schritt für Schritt genau eingrenzen, wo sich der gesuchte Platz befindet.

Was folgt ist das Zusammentragen aller möglichen Informationen, die man darüber finden kann. Immerhin möchte ich keine Überraschungen erleben.

Wie man hinkommt, ob die Wege problemlos begehbar sind und ob überhaupt welche existieren, wie es mit Schnee aussieht… Das sind alles Informationen, die wichtig sein werden.

Und so sitze ich gemütlich am Laptop, während es draussen stürmt, und befinde mich gedanklich bereits irgendwo weit weg… Den Tatendrang in Vorfreude gewandelt. Und schon bald, ihr spannenden Berge, geht die Vorfreude zu Ende, weil es soweit ist. Bis dahin bleibe ich noch hier im Flachland.

Turbachtal

2 Replies to “Frühjährlicher Tatendrang”

    1. Hehe ohja, besonders bei der gerade anrollenden Kaltfront. Das soll ja wieder bis runter schneien erstmal. Aber lange hält das sowieso nicht mehr an. Und sobald der Schnee auf 1400m weg ist, weiss ich gaaaanz genau wo ich hingeh. Hinauf. 🙂

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