Erstbesuch im Vallon de Nant

Erstbesuch im Vallon de Nant

Die Vorbereitung meines diesjährigen Projektes führt mich zum Teil schon früh im Jahr an Orte, die ich erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt mitsamt der Kameraausrüstung vor Ort besuchen werde. Vieles lässt sich im Vorfeld bereits anhand von Fotos und Karten bzw. Google Earth herausfinden, doch einige Unklarheiten bleiben dabei häufig. Das war auch der Grund, warum mich gleich der erstmögliche Tag mit freier Zeit zu einem solchen Ort führte: hinein in die südlichsten Gefilde des Kantons Waadt; in die Nähe von Bex… Ins Vallon de Nant.

Ich kann mich glücklich schätzen, an einem Ort zu wohnen, der relativ zentral gelegen ist, und von wo aus ich die Alpen wie auch den Jura relativ schnell erreichen kann. Und so war es auch hier. Nach knappen neunzig Minuten war Plans-sur-Bex erreicht…

… und wegen der Trophée du Muveran (es hilft zwar schon, sich im Vorfeld über die Geographie und das Wetter zu informieren, aber solche Events sollte man vielleicht ebenfalls berücksichtigen, bevor man loszieht) war das dann auch gleich der Endpunkt für die Fahrt – ein paar Kilometer und Höhenmeter früher als erwartet. Dadurch gleich mehr als die doppelte Wegstrecke vor mir habend, schulterte ich das probeweise mitgenommene Gepäck (Neuer Rucksack, Kamera, Stativ und Slider, dazu noch Trinken und eine winddichte, warme Jacke für die späteren Stunden) und machte mich auf den nun gezwungenermassen doppelt so langen Hinweg.

Der Weg führte mich sogleich  durch wunderschöne Wälder. Steile Hänge führten hinauf zu schroffen Felswänden, während der Boden von einer gleichmässigen Moosschicht bedeckt war. Und auf der halben Wegstrecke ragten überall Krokusse aus dem Boden, während der Avançon meist links von mir wie flüssiger Aquamarin über grosse Felsen hinabfloss; kalt, glasklar und blaugrün.

Nach diesem wunderschönen Waldabschlitt ragte plötzlich der Grand Muveran empor – der 3051m hohe Berg, der diese Umgebung als grösster Gipfel überragt und dem dortigen Schutzgebiet seinen Namen gibt.
Bei Pont de Nant und dem dortigen Parkplatz angekommen – meinem eigentlichen Startpunkt, wenn nichts dazwischen gekommen wäre – konnte ich bereits den weiteren Wegverlauf erahnen: tief hinein ins Vallon de Nant, weiter am wilden Bergbach entlang, bis der Wald zurückweicht und das oberste und wildeste Stück des Tals preisgibt.

Pont de Nant

 

Schon bald lag auch Pont de Nant mit seinem interessanten, botanischen Alpengarten “La Thomasia” hinter mir. Der Weg führte hinein in den Wald; tiefer hinein in die nahezu unberührte Natur des Tals. Der Weg wurde steiler und steiniger, und trotz der unerwarteten Wärme war er immer wieder von Schneefeldern und Eis bedeckt. Unter den noch dicken Eisplatten konnte man das Schmelzwasser hindurchfliessen sehen.

Der inzwischen rechts von mir fliessende Avançon schien deutlich wilder als zuvor, die im Bachbett liegenden Felsen grösser und scharfkantiger. Umgeben von alten Wäldern und darüberliegenden, steil emporragenden Felswänden folgte ich weiter dem rauschenden Wasser. Mein Ziel lag hinter diesem Wald. Dort, wo das Rauschen des Wassers leiser wird, weil der Boden flacher, der Bach breiter wird und der Wald sich lichtet.

Avançon im Vallon de Nant

Vallon de Nant

 

Ich spürte den unplanmässig längeren Weg deutlich in den Schultern und Füssen (wer ist denn auch so doof und trägt nicht perfekt sitzendes Schuhwerk und einen neuen Rucksack bei sowas?), als ich dann einige Zeit später den Rand des Waldes erreichte, und sich vor mir das nun vorerst baumfreie Hochtal öffnete. Und mit ihm wurde auch das Bachbett deutlich breiter. Was weiter talwärts ein rauschender, stattlicher Bergbach ist, floss hier deutlich gemütlicher dahin. Ein breites, steiniges Bachbett, immer wieder von kleinen Inseln durchsetzt, auf welchen kleine Gräser langsam mit lilafarbenen Halmspitzen zu blühen begannen und kleine Käfer gemütlich umherkrochen. Ja, der Frühling schien auch hier in diesem niederschlagsreichen und durch die Gletschernähe kalten Hochtal angekommen zu sein, obwohl noch viele Schneefelder an den Hängen zu sehen waren. Doch hier am Talgrund war der Schnee grossteils weg.

Vallon de Nant

 

Nach einer Weile des still dastehenden Staunens machte ich mich auf die Suche nach guten Standorten für zukünftige Besuche. Da ich noch genügend Zeit hatte, baute ich mein auf gut Glück mitgeschlepptes Material auf einem mitten in der Wiese liegenden Felsen auf. Und schon nach kurzer Zeit übernahm das Intervalometer alles weitere. Während sich die Sonne langsam den westlich gelegenen Bergspitzen näherte und die Schatten länger wurden, lag ich gemütlich daneben auf dem warmen und trockenen Boden, hörte das regelmässige Klack der Kamera, und betrachtete zufrieden meine Umgebung.

Ein kühler Wind wehte von den umliegenden Bergen herab, doch er glich auf eine sehr angenehme Art und Weise die bereits sehr warme Sonne aus. Und so wartete ich einfach darauf, bis die Kamera ihre Arbeit erledigt hatte. Meine war vorerst getan, ich durfte mich jetzt ausruhen. Die allgegenwärtige Ruhe umgab mich, die Anstrengung des Aufstiegs verschwand… Und so wurde auch ich ruhiger.

Fotografieren im Vallon de Nant
Ich bemerkte erst dann wieviel Zeit bereits vergangen war, als die Sonne hinter den Bergen rechts von mir verschwand. Augenblicklich wurde es kühl, dann durch die deutlich kältere, herabfliessende Luft kalt. Das war das Zeichen für mich, dass diese Aufnahmesession nicht mehr lange dauern würde. Ich zog die mitgebrachte Jacke an und wartete die letzten Aufnahmen ab… Betrachtete das in Schatten getauchte Tal, bevor ich die Sachen wieder einpackte und mich langsam auf den Rückweg machte – zurück in die Zivilisation. So verabschiedete ich mich von diesem wundervollen Ort; dem Reich von Luchsen, einer Vielzahl an Vögeln und inzwischen selbst des Wolfes . Während das Tal bereits komplett im Schatten lag, erhellten die rechts von mir liegenden und von der Sonne noch beschienenen Felswände meine Umgebung.

Vallon de Nant

 

Ein wie erhofft erfolgreicher Ausflug ging damit zu Ende, und ich konnte mir vor Ort ein genaues Bild machen. Und jetzt heisst es warten, bis es wieder Zeit ist, loszuziehen und diesen herrlichen Ort erneut aufzusuchen. Ich freue mich schon jetzt ganz besonders, wieder dort zu sein und diese Umgebung betrachten zu können.

 

Mein zweiter Besuch im Vallon de Nant:

Zurück im Vallon de Nant – zwischen Frühling und tiefstem Winter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.