Cinetics Axis360 Pro Slider

Cinetics Axis360 Pro Slider

Im vergangenen Winter war ich oft unterwegs. Doch dann wurde es wärmer, und aus Schnee wurde Regen, aus gefrorenem Boden wurde Matsch. Ich blieb öfters drinnen und war seltener unterwegs. So hatte ich ausreichend Zeit, mich umfassend für meine diesjährigen Ideen zu informieren und nötigenfalls meine Ausrüstung entsprechend meinen Ideen umzugestalten und zu erweitern.

Deshalb habe ich mich mit den derzeitig erhältlichen, motorisierten Slidersystemen auseinandergesetzt. Eigentlich ist die Sache ja relativ simpel. (Mindestens) Zwei Stangen, ein Schlitten mit Rädern darauf, ein daran befestigtes Kabel, ein Motor der dieses Kabel bewegt und damit auch den Schlitten mit darauf fixierter Kamera… Und das wars.
Doch so einfach ist das nun mal nicht. Es wird intensiv nach neuen, besseren und handlicheren Methoden gesucht, dabei mal bessere, mal weniger praktikable Lösungen entwickelt, um einen Schlitten möglichst sauber von A nach B zu bringen. Und während man einerseits das gesamte System selber bauen kann, indem man sich die einzelnen Komponenten kauft und etwas improvisiert (was viele tun und damit durchaus erfolgreich sind!), kann man sich andererseits komplette Systeme kaufen. Das reicht von günstigen unmotorisierten Lösungen von zum Beispiel Walimex, bis hin zu kompletten, z.T. per App gesteuerten Systemen wie der SliderONE von Edelkrone, der Rhine Slider Evo, und noch ganz viele weitere Systeme von vielen Herstellern.

Ich wollte mir einen solchen Slider nicht selber bauen, aber auch nicht unmengen an Geld investieren. Daher suchte ich nach einem vernünftigen Kompromiss, der in punkto Qualität und Kosten gut ausbalanciert ist.

Meine Wahl fiel schlussendlich auf das Axis360 Pro von cinetics, und ich gab diesem modularen Komplettsystem eine Chance sich zu behaupten.

 

Der erste Eindruck war recht solide: das System ist intuitiv aufzubauen, genau so angenehm ist auch die Benutzung des Controllers. Zubehör ist so einiges mit dabei, u.a. acra swiss kompatible L-Winkel mit dazugehöriger Klemme, eine reguläre Schnellwechselplatte und
Mir war wichtig, dass es einfach aufzubauen ist, und absolut outdoortauglich ist. D.h. für mich: Ich muss es bei fast jedem Wetter aufbauen und reinigen können, falls es mal den sauberen Ablauf behindernde Verunreinigungen haben sollte. Keine Ecken in die man nicht hinein kommt, keine baubedingte Unzulänglichkeiten.

Inzwischen konnte ich das cinetics Axis360 Pro System unterwegs bei unterschiedlichem Wetter und in unterschiedlichem Aufbau testen, und erlebte ein zuverlässiges System. Doch in dieser Zeit fielen mir auch diverse Dinge auf, die einige unangenehme Momente mit sich brachten. Aber dazu mehr.
Zuerst möchte ich die positiven Erfahrungen genauer anschauen.

 

Positive Erfahrungen

Robust
Ich nutzte es testweise in einer Ruine wo Bruchsteine, Staub und dichte Vegetation vorherrschend waren, bei warmen Temperaturen genau so wie bei Schnee, Regen, Wind und Minusgraden zwischen Bächen und Gletschern.
Seine Aufgabe, die Kamera schrittweise und mit ausreichend Stabilität von A nach B zu bewegen, damit Time Lapse Aufnahmen möglichst weiche Bewegungsabläufe haben, erledigte das System (bis auf ein Detail, auf das ich später genauer eingehen werde!) stets zuverlässig. Ob ich den Slider jetzt so nah am Boden einsetzte, dass die Vegetation von unten in den Weg des Schlittens hineinragte (und zum Teil von den Rädern zerquetscht wurde), oder es in einem steilen Winkel und mit einseitig installertem Stativ eingesetzt wurde – es funktionierte und ich konnte daran nichts aussetzen.
Mit gewissen Hindernissen hatte es kaum Schwierigkeiten. Selbstverständlich sollte man immer darauf achten, dass eben kein Hindernis auf dieser Strecke liegt. Jedoch blieb der Schlitten erstaunlich stabil. Die einzige Bewegung (die sich aber vollständig herausrechnen liess) entstand wohl durch den Kugelkopf.

Slider im SchneeSlider mit ersetztem Kugelkopf (hier installiert ist der Kopf meines Rollei CT-5A Stativs, die Begründung dazu findet sich weiter unten)

 

Flexibel
Mit wenigen Handgriffen ist der Slider aufgebaut oder umgebaut. So braucht es nur einen kurzen Moment, bis der Antriebsmotor auf einem Stativ befestigt ist. Das ermöglicht schnell den Wechsel der Aufnahmeform – von einer Kamerafahrt auf dem Slider zu einem horizontalen oder vertikalen (möglich mit dem mitgelieferten Zubehör) Schwenk vom Stativ aus.
Die Schraubverbindungen sind ausreichend gut erreichbar und durch deren Grösse auch bei kalten Temperaturen mit oder ohne Handschuhe zu benutzen.
Ich konnte das gesamte System problemlos im Rucksack mitführen und bei Bedarf aufbauen, ohne dabei viel Zeit zu verlieren.
Und je nach Bedarf lässt es sich auch auf einem Stativ montieren – auch mal einseitig.

Aufgebauter Slider

Controller Nur der Controller alleine im Einsatz als Intervalometer

Intuitiv
… läuft die Benutzung des Controllers. Die Funktionen sind klar ersichtlich und einfach zu bedienen. Und sie sind zahlreich. Ob es jetzt um Bulb Ramping geht (Veränderung der Verschlusszeit über den Verlauf der Aufnahme, um mit wechselnden Helligkeitsverhältnissen wie dem Verlauf vom Tag zur Abenddämmerung zurechtzukommen), oder um Beschleunigung/Abbremsung der Bewegung am Beginn bzw. Ende der Sequenz.

Akkulaufzeit
Ich war positiv von der Akkulaufzeit überrascht. 10’000 Aufnahmen inklusive Schwenks und Kamerafahrten auf dem Slider waren überhaupt kein Problem, der Akku hielt problemlos und die Ladestandsanzeige veränderte sich nur geringfügig. Der Akkustand sank nicht einmal unter 50%. Daher gehe ich davon aus, dass (vorausgesetzt der Controller schaltet sich nicht selbstständig ein!) eine Akkuladung problemlos für mehr als einen ganzen Tag ausreichen dürfte.

 

Negative Erfahrungen

Netzstecker
Das Netzkabel hat einen sehr locker sitzenden Adapterstecker, sodass dieser bei Steckerleisten mit vertieften Anschlüssen gut stecken bleiben kann. Die Verbindung zwischen dem Netzkabel und dessen Steckverbindung mit dem Adapterstecker ist bei meinem Exemplar derart locker, dass mir grundsätzlich der Adapter in der Dose oder Leiste stecken bleibt, und ich ihn separat entfernen muss. Das ist sehr unangenehm. Besonders wenn er dann so stark sitzt, dass man ihn kaum noch herausziehen kann. Das ist zwar nicht direkt ein Problem, aber dennoch sehr unangenehm und könnte gefährlich sein.

Einschaltknopf
Der Ein/Aus-Schalter des Controllers sitzt aufgesetzt auf dessen linken Seite. Dadurch kann es passieren, dass zum Beispiel im Rucksack irgendwas dagegenstösst, den Wippschalter betätigt und so ungewollt den Controller einschaltet. Das ist mir einmal passiert. Ich packte die Sachen zusammen und machte mich auf den Heimweg. Am nächsten Tag wollte ich das System wieder benutzen und musste feststellen, dass der Akku leer und der Schalter auf “Ein” war. Hier wäre meiner Meinung nach ein wetterfest gummierter Druckschalter besser gewesen, der erst nach etwas längerem Druck reagiert. Denn so bin ich mir jetzt jeweils nicht ganz sicher, ob während des Hinwegs zu diversen Orten irgend etwas wieder aus Versehen den Controller einschaltet, und ich dann irgendwo in den Bergen mit leerem Akku dasitze.

Lautstärke
Ein solches System muss für meine Zwecke nicht zwingend geräuschlos funktionieren, da ich ohnehin keinen Ton aufnehme. Aber falls man dies beabsichtigt: Der Motor ist nicht gerade flüsterleise. Man muss schon mehrere Meter Abstand halten, um ihn nicht mehr zu hören. Das kann für Videoaufnahmen mit Ton natürlich ein Problem darstellen. Mich persönlich betrifft es nun nicht wirklich, aber… Der Vollständigkeit halber kann ich es nicht unerwähnt lassen.

Kugelkopf
Das grösste Problem ist allerdings der mitgelieferte Kugelkopf. Ich kann vollkommen verstehen und akzeptieren, dass der Kugelkopf ein 1/4″-Gewinde (und der Schlitten ebenfalls eine 1/4″-Fixierschraube für den Stativkopf) besitzt, da alles an diesem System auf diesem kleineren Gewinde basiert. Ein 3/8″-Gewinde wäre mir persönlich deutlich lieber gewesen, um ohne Gewindeadapter meine eigenen Stativköpfe darauf zu befestigen, die allesamt das grössere 3/8″-Gewinde besitzen. Ein wirkliches Problem ist das jedoch nicht.
Aber die technische Umsetzung des Kugelkopfs selbst birgt mir einfach zuviele Gefahren, als dass ich meine Kamera ruhigen Gewissens darauf belassen könnte.
Die Kugel besteht aus einem Plastikkern mit Gummiummantelung, während die Halterung aus innen geriffeltem und strukturiertem Hartplastik besteht. Verstellen lässt sich der Winkel der Kugel, indem man die Stellschraube aufdreht und dabei den lockerer gewordenen Kugelkopf verstellt. Allerdings lässt allein schon die Materialwahl ahnen, dass das nur mit einer gewissen Mühe zu machen ist (und sicherlich nicht stabil stehen kann, folglich immer etwas schwingen kann). Gummi gleitet nun mal nicht so leicht, also ist viel Widerstand da. Oder aber – und das kann richtig gefährlich werden – man dreht die Stellschraube so weit auf, dass die Halterung die Kugel nicht mehr hält, und diese dann mit der daran befestigten Kamera einfach rausfällt. Gleichzeitig hält die Kugel aber auch nicht vollständig bei darauf befestigter Kamera. Selbst wenn man die Stellschraube maximal anzieht, hält die Kugel nicht fest. Und je nach Kamera darauf, kann das Gewicht schon so gross sein, dass sie nach vorne wegkippt. Ich benutze eine Canon EOS 5D Mk III, die von sich aus bereits etwa 1kg wiegt. Hinzu kommen Objektive, wiederum einige 100g wiegen. Habe ich das Canon EF 24-105mm f/4.0L daran befestigt, kann das Gewicht bereits ausreichen um den Kugelkopf zu überfordern.
All das führt natürlich auch dazu, dass – falls die Kugel nicht herauszuspringen droht – das Bauteil sehr schwingungsanfällig ist. Wind und auch die Bewegung des Sliders selbst können dazu führen, dass alles etwas… Schaukelig ist. Auch wenn all die anderen Bauteile recht solide sind.


Diese Erfahrung durfte ich bereits zwei mal machen, hielt sie aber in den Händen, daher konnte ich schlimmeres verhindern. Ein drittes mal kippte die Kamera langsam nach vorne während der Aufnahme, und ich konnte sie gerade noch halten, bevor die Kugel aus der Halterung sprang und mitsamt Kamera von einer mehrere Meter hohen Mauer gefallen wäre.
Dass sowas nicht gut ausgehen wird, brauche ich kaum zu erwähnen.

Kugelkopf vom Axis360 Pro

Ich kann die Stellschraube der Halterung problemlos vollständig anziehen und die Kugel danach immer noch von Hand mit etwas Druck zurück in die Halterung schieben. Sowas dürfte eigentlich generell nicht möglich sein. Aber… Das geht leider auch genau so einfach in die andere Richtung.

Zum Glück befindet sich ein Reduziergewinde im mitgelieferten Zubehör (zum Einschrauben um von 3/8″ auf 1/4″ zu kommen), sodass ich dadurch meine eigenen Stativköpfe auf dem Schlitten befestigen und dieses riskante Bauteil durch Material ersetzen kann, dem ich ohne weiteres meine Kamera anvertraue.

 

Fazit

Das System hat zwei, drei teilweise gefährliche Schwächen die auf keinen Fall unerwähnt bleiben dürfen. Aber im grossen und ganzen bin ich bisher damit zufrieden. Es läuft bisher zuverlässig ruhig in den Aufnahmen, es erfüllt jederzeit seinen Zweck, selbst in Schieflage und einer Neigung von über 45°. Mit seinen 5-6kg (Slider, Controller, Antriebsmotor & beliebiger, passender Stativkopf, ohne alles weitere an Zubehör) ist es meiner Meinung nach noch durchaus angenehm mitzuführen und trägt nicht so stark auf.

Nimmt man einen eigenen Stativkopf (durch insgesamt zwei mitgelieferte Reduziergewinde ist es ja nicht tragisch, wenn er ein grösseres Gewinde hat) und ersetzt damit den vorhandenen, ist das System ziemlich bequem und robust. Störende, nicht von mir erzeugte Wackler konnte ich nach dem Austausch auch nicht mehr feststellen.

Alles in allem also durchaus ein System, das seine Arbeit durchaus zuverlässig erledigt. Und solange man damit leben kann, den eigenen Stativkopf darauf zu befestigen und keine Tonaufnahmen in Kameranähe benötigt, einem die Lautstärke des Motors also egal sein kann, wird man sicherlich zufrieden sein können damit. Ich bin es bisher jedenfalls, und es durfte schon so einiges an Belastung und Wetter aushalten.

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