Regen im Gantrisch

Regen im Gantrisch

Was genau… Ist schlechtes Wetter?

 

Vor ein paar Tagen zog eine Kaltfront durch. Die Temperatur sank… Und von fast dreissig Grad ging es steil abwärts, bis das Thermometer gerade noch 13° anzeigte. Das Wetter fiel genau auf ein Wochenende, und so begann der Sonntagmorgen nass, kalt und grau… Mit völlig bedecktem Himmel. Grund genug für die meisten Menschen, zuhause zu bleiben und den Sonntagvormittag im Bett oder auf dem Sofa zu verbringen.

Und während es sich die meisten Menschen zuhause gemütlich machten, packte ich meine Sachen. Ich wartete schon tagelang auf eine solche Gelegenheit, doch schon seit über einer Woche war der Himmel beinahe durchgehend tiefblau und keine Wolke über dem Gantrisch in Sicht. Die freiburger Voralpen waren an diesem Morgen jedoch in Wolken gehüllt, man konnte deren Existenz höchstens erahnen. Also ging ich los.

Freiburger Voralpen nahe Plasselb

 

Nach einiger Zeit erreichte ich den Rand der Gegend, die ich schon am Vortag besucht hatte: Die Gantrisch Region. Die Strasse führte mich hinauf, Kurve um Kurve, weiter hinein in die zum Teil dicht bewachsenen Berge. Und mit jeder Kurve kam ich den Wolken näher… Bis sie mich schliesslich ebenfalls einhüllten. Und nach einiger Zeit hatte ich den Parkplatz erreicht, von welchem aus ich zu Fuss einem kleinen Pfad weiter folgen musste, bis ich dann am Ziel angelangt war.

So stand ich da, umgeben von Wolken, mitten im Regen. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, kein Auto zu hören. Nichts – absolute Stille… Ich machte mich also auf den Weg hinauf zum Gantrischseeli. Das Geräusch der auf meine Kapuze fallenden Regentropfen wirkte richtig laut – und war mein einziger Begleiter in einer ansonsten absolut stillen Umgebung, durch die sich ausser mir nichts und niemand zu bewegen schien. Über mir hingegen krochen dichte, dunkle Wolkenfetzen über die Berge, kratzten an Wäldern und verbanden sich mit emporsteigenden Dunstschwaden.

Am See angekommen, war ich bereits durchnässt. Ich spürte in den Armbeugen, wie sich das Wasser bereits durch die Jacke und beide darunterliegenden Kleidungsschichten gefressen hatte. Es wurde kalt und nass… Kurz darauf folgten die Schultern… Und dann der gesamte Rest. Der Regen tropfte vom Rand der Kapuze in mein Gesicht, während ich dafür sorgen musste, dass wenigstens die Frontlinse der Kamera einigermassen trocken blieb. Ich hatte es schon aufgegeben, eine saubere Frontlinse ohne Regentropfen zu haben…

Gantrischseeli

 

Die typischen Berge des Gantrischs waren zeitweise keine mehr zu sehen, sie waren immer mal wieder vollständig von Wolken eingehüllt.

Nach einiger Zeit packte ich wieder zusammen – das Wetter erlaubte einfach nicht sehr viel mehr als das, was ich vor Ort gemacht hatte. Es war reine Glückssache, keine allzu störenden Regentropfen auf die Linse zu bekommen. Also stellte ich mich unter eine Baumgruppe und dachte nach. Was liesse sich noch machen? Immerhin war ich mitten in einer wundervollen Umgebung, vollkommen alleine an einem Sonntagmorgen, hatte Zeit und das Wetter sorgte dafür, dass die Tageszeit keinen negativen Einfluss auf die Stimmung haben konnte.

Ich beschloss, mich zu Fuss auf den Rückweg zu machen und dem Weg zu folgen, ohne Ahnung wie weit oder wie lange. Also folgte ich der Strasse talwärts. Doch der Regen war schon nach kurzer Zeit deutlich stärker geworden als zuvor. Die Idee gefiel mir immer weniger, besonders da ich nicht wusste, wann und wo ich wieder Schutz vor dem Regen hätte finden können. Zu Fuss, bei Regen und völlig durchnässt ist das eine sehr lange Strecke… Also entschied ich mich dazu, den Rückweg doch lieber in einem Fahrzeug zurückzulegen.

Nach einigen Kurven dann der erste Zwischenstopp. Schon immer faszinierten mich diese zwischen den Bäumen versteckten Gebäude des Kurhotels Schwefelbergbad. Doch meist war das Licht nicht besonders passend, und nur für dieses Foto hinzufahren, erschien mir nicht sehr sinnvoll.
An diesem Morgen jedoch schien alles zu passen. Es herrschte genau das erhoffte Wetter…

Zwischen den Nadelbäumen blickte das dunkle Gebäude mit seinen weissen Fensterrahmen hervor. Nichts deutete darauf hin, dass das Kurhotel mitten im Gantrisch schon seit Jahren geschlossen war – Grund dafür waren wohl Umbauarbeiten und ein Baustopp, schlussendlich wegen nicht ausreichendem Brandschutz; wenn es an einem solch abgelegenen Ort brennt, dann wird es lange dauern, bis Hilfe da ist. Doch bei diesem Wetter wirkte es düster, fast schon unheimlich… Als ob es eine ganz andere Geschichte haben könnte, die an solchen Tagen wieder lebendig wird.

Kurhotel Schwefelberg-Bad

 

Und dann war da diese Brücke… Umgeben von Wolken und aus den Wäldern emporsteigenden Dunstschwaden; weit darunter rauschte irgendwo Wasser talwärts. Ich musste unbedingt anhalten und abermals in den Regen hinaus. Die gesamte Welt schien nur noch aus dieser Brücke und etwas Wald zu bestehen. Alles andere war völlig hinter Wolkenschleiern verschwunden.

Brücke im Gantrischgebiet

 

Nach diesem erneuten Zwischenstopp führte mich die Strasse weiter der kalten Sense entlang, die langsam auf ihrem anfänglichen Weg durch die Gantrisch Region immer grösser wurde und mehr Wasser führte. Auf der letzten Brücke dann nutzte ich die Gelegenheit und schoss die letzten Fotos, bevor jeder Quadratzentimeter Stoff durchnässt und nicht mehr zum putzen der Linse geeignet war.

Sense im Gantrischgebiet

 

Also… Abschliessend muss ich sagen: Schlechtes Wetter war das für mich nicht – im Gegenteil. Es war genau das richtige Wetter. Und ich freue mich schon darauf, wenn die nächste Kantfront anrollt, die Berge abermals in tiefe Wolken hüllt und die Übergänge zwischen Licht und Schatten vollständig verwischen.

 

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