Objektivkauf für die Landschaftsfotografie

Objektivkauf für die Landschaftsfotografie

Das beste Objektiv für die Landschaftsfotografie

Oft wird gefragt: “Was ist denn das beste Objektiv für die Landschaftsfotografie?” – eine Hilfe, wie du diese Frage für dich persönlich beantworten kannst.

Solche Fragen habe ich schon sehr oft zu hören/lesen bekommen. Ja, welches Objektiv eignet sich denn nun am besten für die Landschaftsfotografie? Was ist das Objektiv dafür?

Manch einer möchte sich in Richtung Landschaftsfotografie weiterentwickeln wollen. Und dazu möchte er selbstverständlich seine Ausrüstung optimieren, darauf ausrichten. Doch diese eine Frage stellt für viele ein Problem dar; man sieht schöne Landschaftsfotos und denkt sich “Mensch, was hat er/sie wohl dafür benutzt, was brauche ich dafür?”. Dann steht man vor einer riesigen Auswahl… Und ist völlig überfordert. (Ultra-)Weitwinkel, diverse Zoomobjektive in allen Brennweitenbereichen, Fisheye-Linsen, Teleobjektive, Tilt/Shift-Objektive, lichtstarke Objektive, solche mit Bildstabilisator… Die Auswahl ist riesig.

Will man sich ein Objektiv speziell für die Landschaftsfotografie kaufen, dann wird die erste Frage lauten: Was ist denn das optimale Objektiv dafür? Gibt es das überhaupt? Die Antwort darauf ist simpel: Nein, das gibt es nicht. Schlussendlich eignet sich jedes Objektiv dafür, und je nach persönlichem Geschmack wird das jedes sein können, das auf dem Markt erhältlich ist.

Darum möchte ich im folgenden Beitrag etwas auf die unterschiedlichen Objektive und deren Rolle in der Landschaftsfotografie eingehen, um bei dieser Frage zu helfen.

Weitwinkelobjektive – Objektive mit kurzen Brennweiten

Teleobjektive – Objektive mit langen Brennweiten

Normalbrennweiten – Alle Objektive dazwischen

Aber welches Objektiv brauche ich denn jetzt?

Fazit – Wie man nun zum besten Objektiv kommt


Es gibt kein optimales Objektiv

So Simpel die pauschale Antwort “Nein” auch sein mag; sie erfordert eine tiefere Auseinandersetzung mit der Sache. Sicher gibt es optimale Objektive für die Landschaftsfotografie. Aber das sind für jeden Menschen andere.

Schöne Landschaftsaufnahmen können grundsätzlich mit jeder Kamera-Objektiv-Kombination gemacht werden, ganz egal ob man eine kleine oder grosse Brennweite benutzt, oder ob es ein Objektiv für 20.- oder für 2000.- ist. Denn unterschiedliche Landschaften benötigen ganz unterschiedliche Brennweiten. Und je nach Motiv ändert sich die Objektivwahl stark… Und der eigene Stil tut sein übriges dazu.

Möchte man möglichst viel von der Umgebung sehen und beispielsweise den Boden ganz nahe an der Kamera und den Himmel in gleicher Weise mit auf dem Foto haben, dann ist ein (Ultra-)Weitwinkelobjektiv sicherlich eine gute Wahl. Auch dann, wenn man sich den typischen Abbildungsstil solcher Objektive zunutze machen möchte. Will man hingegen ein bestimmtes Objekt hervorheben und vielleicht eher vom Hintergrund abheben, dann wird sich ein Teleobjektiv eher eignen. Und in schnell wechselnder Umgebung wie zum Beispiel Wäldern kann eine Zoomobjektiv im Normalbereich – zum Beispiel ein 24 – 100mm Zoomobjektiv – am nützlichsten sein.

Je nachdem welchen fotografischen Stil man im Sinn hat, welches Motiv man sich ausgesucht hat und je nachdem in welcher Umgebung man sich befindet, wird also ein anderes Objektiv die beste Wahl sein. Das führt zu den beiden Fragen: “Was genau möchte ich fotografieren?” und “Wie möchte ich es fotografieren?” Um der Antwort näher zu kommen, möchte ich zuerst die unterschiedlichen Brennweiten genauer betrachten.

 

Weitwinkelobjektive – die kurzen Brennweiten

Objektive mit Brennweiten um die 14 – 24mm sind aus der Landschaftsfotografie nicht wegzudenken. Und vermutlich sind es diese Objektive die einem am ehesten in den Sinn kommen, wenn man an Landschaftsfotografie denkt.

Canon EF 17 - 40mm f/4.0L, 17mm
Canon EF 17 – 40mm f/4.0L, 17mm

Jeder wird sie kennen, diese unheimlich “weiten” Landschaftsaufnahmen. Es ist viel zu sehen, und ist dennoch kein aus mehreren Fotos zusammengefügtes Panorama. Oder aber Boden wie Himmel ist in überwältigender Form gleichermassen präsent, und man kann das Steinchen am Boden vor der Kamera genau so gut sehen, wie die Wolken weit oben im Himmel. Und nahezu alles ist in gleicher Weise scharf, ganz ohne Focus Stacking. Und wenn ein kleines Objekt im Vordergrund beinahe grösser wirkt, als die imposanten Berge im Hintergrund, dann war bestimmt ein Weitwinkelobjektiv im Einsatz.

Brennweiten um die 14 – 24mm können auf den ersten Moment sehr verlockend sein, bekommt man doch damit die gesamte Szenerie auf ein einzelnes Foto und hat immer noch genügend Spielraum, um die Kamera nach oben oder unten zu richten… Und erwischt dennoch alles.

Doch… Wenn man viel sieht, sieht man oftmals auch viel Mist. Stromleitungen durch Wälder, hässliche Gebäude, deplatzierte Strassen, überquellende Mülleimer, die Autobahn neben dem Naturschutzgebiet oder auch einfach ein Hügel oder Baum, dessen Form das Gesamtbild stört… Alles Dinge, die es viel zu häufig gibt und die wir i.d.R. in Landschaftsaufnahmen raushalten möchten.

Ultraweitwinkelobjektive sind der untere Extrembereich der verfügbaren Brennweitenspanne. Und diesen kann man nicht einfach permanent überall benutzen. Einen wirklichen Sinn macht die Nutzung dieser Objektive nur dann, wenn man mit ihrer brennweitentypischen Abbildung die bereits vorhandene Weite bzw. Stimmung noch verstärken möchte… Und man selbstverständlich keinen Unsinn mit aufs Bild bekommt. Doch genau das ist gar nicht so einfach, wie es im ersten Moment wirkt.

 

Teleobjektive – die langen Brennweiten

Nicht unbedingt die ersten Objektive, die man direkt mit der Landschaftsfotografie verbindet. Doch grössere Brennweiten sind genau so – je nach Situation – unsinnig oder erste Wahl bei Landschaftsaufnahmen.

Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS USM, 100mm
Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS USM, 100mm
Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS USM, 400mm
Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS USM, 400mm

Nah herangeholte Details, stark zusammengeschobene Entfernungen, unterschiedlich weit von der Kamera entfernte Objekte wirken wie einzelne Folien, die man übereinandergelegt hat, ganz nah beieinander… Deutliche Abhebung des Motivs vom Hintergrund bei grossen Distanzen… Alles Dinge, die auf eine grössere Brennweite hindeuten.

Es gibt oft genug Momente, die eine grössere Brennweite von 100mm oder mehr erfordern. Mal ist es dieser eine Baum irgendwo auf einem Hügel, der zwar super aussieht, aber von hässlichen Häusern umgeben ist. Und die man aber nicht mit auf dem Bild haben möchte. Oder es ist die Raffung der Tiefen, die man ausnutzen möchte und entfernte Objekte näher an nahegelegene Objekte heranholen möchte.

Es gibt viele Gründe für grosse Brennweiten, und es gibt genau so viele Gründe dagegen. So ist es zwar sehr einfach, damit einzelne Objekte innerhalb einer viel komplexeren Umgebung hervorzuholen und freizustellen, aber es ist sehr schwierig bis kaum möglich, damit die Weite einzufangen, die man in gewissen Landschaften fühlt.

 

Normalbrennweiten – Alles dazwischen

Sehr grosse oder kleine Brennweiten sind nur die beiden extremen Enden der verfügbaren Objektive – alles dazwischen wird von Brennweiten im Normalbereich abgedeckt, meist in Form von Zoomobjektiven, wie zum Beispiel dem Canon EF 24-105mm f/4.0 L oder all den anderen, vergleichbaren Objektiven von anderen Herstellern und für andere Sensorgrössen.

Canon EF 28-90mm f/4-5.6, 55mm
Canon EF 28-90mm f/4-5.6, 55mm

Bei all den verlockenden Angeboten im Weitwinkel- und Telebereich vergisst man oft, dass ein sehr grosser Teil der Fotos genau in diesen Bereich fällt, und die Nutzung eines Zoomobjektivs mit einer solchen Brennweitenspanne auch in der Landschaftsfotografie sehr häufig zum Einsatz kommt. Und dessen Fehlen würde ein Loch erzeugen, welches sich weder mit Weitwinkel-, noch mit Teleobjektiven ausgleichen liesse.

Mit diesen “Standardobjektiven” kann man sich sehr gut in Gegenden bewegen, die ganz unterschiedliche Brennweiten erfordern, was in Wäldern häufig der Fall ist. Sind diese Objektive nun also die erste Wahl? Auch hier wieder: Nein. Denn auch diese haben selbstverständlich ihre Grenzen. Manchmal sind sie nicht weitwinklig genug… Oder man kommt damit nicht nah genug an die Objekte ran.

 

Aber welches Objektiv brauche ich denn jetzt?

Weitwinkel, Tele… Ein normales Zoom das meist schon als Kit-Objektiv beim Kamerakauf dabei ist?

Diese Frage lässt sich von keinem Aussenstehenden beantworten, obwohl viele das immer wieder versuchen. Doch sie geben lediglich die eigenen Erfahrungen weiter, die eigenen Präferenzen. Und die unterscheiden sich nun mal dramatisch von Person zu Person.

Die einzig vernünftige Antwort auf die Frage, welches Objektiv man für die Landschaftsfotografie kaufen solle, ist folglich: Das für dich richtige. Und welches das ist, wirst nur du selber für dich herausfinden können.

Wie soll man das herausfinden?

Das ist zum Glück sehr einfach. Solange man noch nicht weiss, hat man noch nicht ausreichend Erfahrungen gesammelt und ist noch nicht an die Grenzen des Objektivs (oder der Objektive) gestossen, das man besitzt. Daher bringt es wenig, ein weiteres Objektiv hinzuzukaufen. Womöglich ist das gar nicht nötig und man verbrät Geld für nichts – weil man die gewünschten Fotos bereits mit dem vorhandenen Material hätte machen können… Ganz ohne Geld auszugeben.

Folglich sollte man eher versuchen, die vorhandene Ausrüstung bis an deren Grenzen auszureizen. Denn tut man das, wird man diese Grenzen früher oder später deutlich fühlen. Und dann wird man ganz von alleine wissen, was man denn benötigt. Hat man ein Kitobjektiv wie zum Beispiel ein 18-55mm und stellt fest, dass man sehr oft auf 18mm fotografiert, wird der Kauf eines Weitwinkelobjektivs sicherlich sinnvoller sein, als eins mit grösserer Brennweite über die 55mm hinaus. Findet man sich hingegen eher bei 55mm, dann würde wiederum ein Objektiv mit grösserer Brennweite sinnvoll sein.

Fotografiert man vielleicht vor allem in der Dämmerung oder sogar nachts und hat die Blende meist so weit geöffnet wie möglich? Dann wird sich ein lichtstärkeres Objektiv bezahlt machen.

 

Fazit

Darum – es gibt nur eine richtige Antwort auf die Frage, welches Objektiv man sich für die Landschaftsfotografie kaufen soll: Das Objektiv, das du persönlich dafür brauchst. Welches das ist, findest nur du alleine heraus, denn nur du wirst spüren, was du am ehesten benötigst. Und so lange du diese Grenzen noch nicht spürst, benötigst du auch kein neues Objektiv.

Also auch wenn es in den Fingern juckt (und das kann ich nur zu gut verstehen!) – spare das Geld lieber, um dann zugreifen zu können, wenn du von dir aus genau weisst, welches Objektiv du benötigst. Damit vermeidest du einen Fehlkauf fast vollständig, und wirst mit Sicherheit mehr Freude daran haben, als wenn du auf den Rat anderer hörst, die deine Art zu fotografieren nun mal nicht kennen.

Sobald du beantworten kannst, ob du eine eher kleine oder grosse Brennweite benötigst, ob du ein lichtstarkes Objektiv benötigst oder ob das egal ist, und ob du sonstige Dinge wie Bildstabilisator und Autofokus benötigst, wirst du bereits die Eigenschaften kennen, die das Objektiv besitzen muss. Und dann… Ist es so einfach wie das Pflücken von Äpfeln – du musst dir lediglich das Objektiv aus dem ganzen Angebot aussuchen, das am ehesten zu den Eigenschaften passt, die du benötigst.

 

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