Ein Winterabend am Schwarzsee

Ein Winterabend am Schwarzsee

Vor ein paar Tagen schien mehrheitlich die Sonne, und die Wolken am Himmel liessen auf einen interessanten Sonnenuntergang hoffen. Daher entschied mich mich dazu, abends zum Schwarzsee zu fahren. Ein See, umgeben von Bergen und unter dem ersten richtigen Schnee des nahenden Winters liegend – ja, das klang äusserst verlockend.

Schwierig an diesem See sind die umliegenden Berge. Um schöne Farben am Himmel fotografieren zu können, benötigt man einerseits einen freien, westlichen Himmel, damit die Sonne nicht frühzeitig blockiert wird. Aber gleichzeitig benötigt man Wolken im Blickfeld. Also in ausreichend hohen Luftschichten, damit man sie überhaupt sieht… Und sie von der untergegangenen Sonne angestrahlt werden und zu leuchten beginnen. Doch das Wetter zu Beginn des Winters ist selten sehr einfach vorherzusagen. Oft verändert es sich dramatisch in kurzer Zeit, und wo kurz zuvor noch optimale Verhältnisse herrschten, ist plötzlich nichts mehr zu machen.

Dieser Abend war genau einer von denen. Das Wetter schien gut zu sein, doch ich war mir nicht sicher, ob es so bleiben würde. Im Westen zogen immer wieder Wolkenfetzen vorbei, und der Sonnenuntergang kam sehr schnell näher. Als ich mich auf den Weg machte, schien die Zeit schon sehr knapp zu sein. Unterwegs kamen Zweifel in mir hoch, ob ich es noch rechtzeitig schaffen würde. Auf halber Strecke schaute ich zur Kirche von St. Silvester und entschied mich spontan dazu, irgendwo in der Nähe einen Standplatz zu suchen und das letzte direkte Sonnenlicht zu nutzen. Der Schwarzsee schien keine Option mehr zu sein, und hier hatte ich gerade wundervolles Licht – mich umzuentscheiden fiel mir leicht.

In einer Kurve vor Plasselb stellte ich mich weit abseits der Strasse in die Wiese und fotografierte die Hügel rund um St. Silvester. Die Sonne wurde immer mal wieder von Wolkenfetzen verdeckt, und es schien so, als würde sie bald vollständig verschwinden. In Ruhe fotografierte ich die Kirche und deren Umgebung, genoss die letzten direkten Sonnenstrahlen und begab mich dann zurück zum Fahrzeug, nachdem die Sonne verschwunden war und die Kälte durch die Kleidung kroch.

Der Himmel sah inzwischen wieder völlig anders aus. Während im Westen Wolken die Sonne verdeckten, war der Himmel im Süden eher schon wolkenlos. Also dachte ich mir, den Abend doch noch weiter zu nutzen und einen Abstecher zu meinem ursprünglichen Ziel – dem Schwarzsee – zu machen. Zu verlieren hatte ich ohnehin nichts. Ausserdem hoffte ich darauf, vielleicht noch ein paar Sterne fotografieren zu können.

Kurve um Kurve führte mich die Strasse durch eine unerwartet winterliche Schneewelt. Dicke Schneepolster lagen auf den Nadelbäumen der Wälder rundherum. Und dann sah ich den Himmel zwischen den Bäumen und Bergen hindurch. Die Sonne schien doch noch einen Weg durch die Wolken gefunden zu haben, und die Wolkenfetzen über dem See begannen in den schönsten Farben zu leuchten.

Am See angekommen, packte ich schnell meine Sachen und begab mich direkt ans Ufer, um dieses herrliche Schauspiel noch rechtzeitig fotografieren zu können. Im Schnee stellte ich beide mitgenommenen Kameras auf… Und war erst einmal vom Licht überwältigt.

Fasziniert schaute ich dem sich im See spiegelnden Farbspektakel zu. Ich schien tatsächlich gerade noch rechtzeitig angekommen zu sein, kurz bevor die Wolken am intensivsten leuchteten. Sie zogen langsam am Himmel vorbei und veränderten permanent ihre Form und Farbe.

Langsam verblassten die Farben und die Wolken nahmen den gewohnten, grauen Farbton an. Am Horizont zeugte ein schwaches, rötliches Leuchten vom vergangenen Sonnenuntergang. Ich packte meine Sachen wieder zusammen, und auf dem Rückweg zum Auto schaute ich zum Kaiseregg – leuchtend weiss vom Neuschnee im letzten Licht des Tages. Die Kamera wurde noch ein letztes Mal auf dem Stativ befestigt – eine Aufnahme dieses herrlichen Lichts wollte ich dennoch als Abschluss dieses herrlichen Abends mit nach Hause nehmen.

 

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