Abends beim Creux du Van

Abends beim Creux du Van

Der Creux du Van im schweizerischen Jura ist ein fantastischer Ort. Kein Wunder also, zieht er viele Besucher an. Doch die Besucher schaden dem Gefühl von Freiheit nicht.

Die senkrecht abfallenden Kalksteinklippen des Ausräumkessels sind zu jeder Jahreszeit sehenswert. Doch sollte man bedenken, dass der klippennahe Weg an vielen Stellen ohne schützendes Geländer direkt in den Abgrund überzugehen scheint. Doch zum Schutz wurde die Mauer der Freundschaft – eine schöne Trockensteinmauer – von Freiwilligen gebaut. Damit wurde der alte Zaun ersetzt, der früher dort stand.

 

Ich war zuletzt vor etwa acht Jahren dort. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Es war Sommer, doch von sommerlicher Hitze war weit und breit nichts zu spüren. Doch damals fotografierte ich noch nicht auf die Art und Weise, wie ich es heute mache. Damals wusste ich noch nicht, dass ich viele Jahre später auf diesem Vorsprung am linken Bildrand stehen würde, ich damals fotografiert hatte.

 

Doch diesmal wusste ich genau wohin ich gehen musste, um das Foto in meinem Kopf umsetzen zu können. Mein Ziel war am südöstlichen Ende des Kessels zu finden. Der Vordergrund war mir klar, und auch die Blickrichtung. Ich wollte das letzte Sonnenlicht auf den weissen Klippen, und gleichzeitig den Sonnenuntergang sehen können. Darum folgte ich dem Weg an den Klippen entlang, bis die Sicht in den Abgrund einer schönen Aussicht auf die Klippen Platz machte.

Der Weg führte mich mal diesseits, mal jenseits der Mauer entlang. Denn auch die schönen Wiesen auf der anderen Seite der Mauer sind durch die unzähligen Blumen sehenswert.

Und dann bewegte sich da etwas in der Ferne zwischen den Bäumen. Ich war mir erst nicht sicher, doch je näher ich kam, desto deutlicher wurde es: einige Steinböcke mit Jungtieren. Eine solche Gelegenheit wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, und machte ein paar Fotos. Doch zuviel Zeit wollte ich damit nicht verbringen. Die Sonne stand schon ziemlich tief und ich wusste, dass ich für die Suche nach einem geeigneten Blickwinkel noch einige Zeit benötigen würde.

 

 

Auf dem gewünschten Vorsprung angekommen, öffnete sich vor mir der Felsenkessel und zeigte die Kalksteinklippen des Creux du Van in voller Pracht. Ich versuchte zuerst ein paar horizontale Aufnahmen, doch wie so oft musste ich die Nase rümpfen und fand meine Bildkomposition in einer hochkantigen Ausrichtung der Kamera.

Nachdem ich ein paar Testfotos gemacht hatte, befestigte ich die Kamera auf dem Stativ und konnte mich zurücklehnen. Jetzt hiess es warten, und während des Sonnenuntergangs immer mal wieder ein paar Aufnahmen machen. Ich wollte den perfekten Moment erwischen, doch lässt sich so etwas vor Ort manchmal schwierig einschätzen, was danach auf einem (gedruckten) Foto am besten aussieht. Und zudem wollte ich mir alle Möglichkeiten offen lassen.

 

Nachdem ich einige Zeit vollkommen allein auf diesem Vorsprung auf den Sonnenuntergang wartete, konnte ich mit dem Ergebnis zufrieden sein. Das Licht war an diesem Abend fantastisch, und die Sonne war selbst dann noch zu sehen, als sie als tiefroter Ball den Horizont berührte. Doch zuvor erhellte sie noch die Wolken wie auch die Klippen vom Creux du Van selbst.

 

Als dann die Sonne hinter dem Horizont verschwand und sich Wolken davorschoben, verblasste der Himmel recht schnell und wurde grau. Die Abenddämmerung begann. Vor mir lag noch der Weg zurück zum Parkplatz beim Restaurant Le Soliat. Allerdings wollte ich nicht noch einmal den selben Weg einfach zurückgehen. Ich wusste genau, dass ich da keine Gelegenheit mehr finden würde, etwas hübsches zu fotografieren.

Deswegen entschied ich mich für einen Weg durch die schönen Wiesen auf der anderen Seite der Mauer der Freundschaft. Auf der Seite, die dem Creux du Van abgewandt ist. Schon nach wenigen Schritten war mir klar, dass dies die richtige Entscheidung war. Der Weg führte mich durch die Wiesen an einer weiteren Mauer entlang, bis hoch zum Gipfelkreuz des Soliats, dem 1465m hohen Gipfel in direkter Nachbarschaft zum Creux du Van.

Und sonst? Sanfte Hügel, Alpenwiesen und kleine Bäumchen. Soweit das Auge reichte. Und langsam wurde es spürbar dunkler.

 

 

Zufrieden folgte ich ab dem Gipfelkreuz dem Weg. Kaum sichtbar führte er an Mauern und Zäunen entlang, durch kniehoch gewachsene Wiesen… Bis mich das letzte Wegstück durch den dunklen Wald schickte.

Und in Gedanken war ich bereits bei meinem nächsten Besuch in dieser Umgebung. Doch dann werde ich wegen der Trockensteinmauern und Bäumchen dort sein.

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