Étang de la Gruère

Étang de la Gruère

Mitte des 17. Jahrhunderts aufgestaut, existiert der Étang de la Gruère schon einige Zeit im Herzen des Juras. Umgeben von Nadelbäumen und Birken liegt er da mit seinem tiefbraunen, von den Huminsäuren aus dem jahrtausendealten Torfboden eingefärbten Wasser. Und in der heutigen Zeit ist er ein Naturschutzgebiet, das mit seiner Schönheit und Ruhe stets Besucher anzuziehen vermag.

… ich lernte den See zuerst von einer anderen Seite kennen.

 

Zuerst die Arbeit…

Bei meinem ersten Besuch lag er still da, der Étang de la Gruère. Das Wetter war vielversprechend. Flache Wolken zogen über den Himmel und das goldene Licht des sich langsam ankündigenden Sonnenuntergangs durchflutete die Wälder rund um den See.

 

Zufrieden umrundete ich den See, hielt Ausschau nach interessanten Blickwinkeln und versuchte die Stimmung vor Ort zu nutzen, um den See möglichst so fotografieren zu können, wie er sich präsentiert, wie er ist… Oder wie er sein kann, wenn das Licht und die Stimmung stimmen.

Am Ufer sitzend, schaute ich den Enten, Blässhühnern und all dem Nachwuchs zu. Ruhig zogen sie direkt am Ufer entlang und liessen sich fotografieren. Selbst als ich bäuchlings am Ufer lag – auf Kopfhöhe mit den Küken – zogen sie ihre Bahnen vor mir, ganz neugierig und ohne Scheu.

 

So nutzte ich die Zeit, um die wechselnde Stimmung vom Abend in die Dämmerung hinein zu geniessen. Ich wusste bereits, wo ich die Kamera aufstellen wollte, daher liess ich mir Zeit. Langsam zogen vermehrt Wolken auf, doch der Westen blieb nach wie vor wolkenlos. Langsam näherte sich die Sonne dem Horizont. Ihr Licht erreichte bereits die Wolkenunterseite. Allmählich begannen die Wolken von unten zu leuchten. Doch dann, zwei Minuten vor Sonnenuntergang… Ging das Licht aus. Hinter dem Horizont schob sich eine nicht sichtbare Wolke vor die Sonne. Der gesamte Zauber verschwand. Aus goldenem Licht wurde ein aschgrauer Himmel. Der gesamte Himmel zog zu, auch die Sterne konnte ich nicht fotografieren.

Bodennebel stieg auf, doch der Himmel war grau und strukturlos, er sog der gesamten Szenerie die Stimmung aus. Daher liess ich es nach einem Foto einer kleinen Brücke bleiben und machte mich auf den Rückweg.

 

Vier Stunden hatte ich dort verbracht, und kehrte ohne einem erhofften Foto nach Hause zurück. Dennoch hatte ich viel über den Ort an sich gelernt. Zeit zum Beobachten hatte ich ja genug. So konnte ich ein Eichhörnchen beobachten, das andere Besucher im Vorbeigehen nicht einmal wahrgenommen hatten. Und manch eine Begegnung mit einem anderen Tier wäre auch nicht zustande gekommen.

Deshalb freute ich mich auf einen weiteren Besuch, der vielleicht eher aus fotografischer Sicht erfolgreich sein würde.

 

… und ich lag falsch. Drei weitere Besuche am Étang de la Gruère vergingen. Das Wetter war jedes Mal schwierig. Regen ohne Nebel, Wolken ohne Struktur, Sonnenuntergänge ohne Farbe. Die Zeit verging und nicht ein einziges Foto zeigte diesen Ort so, wie ich es wollte. Das kann frustrierend sein. Doch wer diese Momente schon öfters erlebt hat, wird es kennen: Irgendwann findet man immer einen Zugang zu einem Ort. Nur manchmal… Dauert es eben etwas länger.

 

… und dann der Lohn.

Wieder versuchte ich mein Glück am Étang de la Gruère. Inzwischen kannte ich die Gegend recht gut. Zuversichtlich stieg ich am Parkplatz aus dem Auto und machte mich auf den Weg zum See. Der Himmel war blau, keine Wolke war zu sehen. Die Sonne stand bereits tief, und nur noch die Baumwipfel standen im Sonnenlicht. Für den Sonnenuntergang war ich zu spät, doch bereute ich es nicht, erst jetzt hier zu sein.

Und schon bald hatte ich meinen Platz gefunden, direkt am Wasser mit Blick auf den Sonnenuntergang. Ganz in meiner Nähe erklangen die sanften Töne eines Hang Drums, perfekt zur Stimmung vor Ort passend. Still sass ich da und genoss die Ruhe.

Ganz langsam verschwand das Sonnenlicht, es wurde kühler. Die warmen Farben des Sonnenuntergangs schwanden und wichen kalten, blauen Farbtönen. Als die ersten Nebel aus dem See emporstiegen, konnte man die kommende Nacht bereits deutlich fühlen. Das Hang Drum verstummte, und es wurde still. Ab und zu wurde die Stille von einem schnappenden Fisch oder einer quakenden Ente durchbrochen, doch ansonsten blieb es still. Kein Wind bewegte die Bäume, auch die Wasseroberfläche wurde zusehends stiller.

Es war für mich an der Zeit, einen geeigneten Standort zu finden. Im schwindenden Licht wanderte ich am Ufer entlang, stets auf der Suche nach dem optimalen Standort. Bis ich plötzlich davor stand.

Ich stand vor einer kleinen, jungen Fichte. Sie wuchs zwischen Heidelbeersträuchern, direkt am Ufer. Und sofort wusste ich: Genau da sollte die Kamera stehen. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, etwas von diesem Ort verstanden, die Stimmung des Augenblicks erkannt zu haben.

Es war mir auch augenblicklich klar, wie das Foto auszusehen hatte. Ich hatte schon seit längerer Zeit keine Sternstrichspuren mehr gemacht. Doch dieser Abend eignete sich hervorragend. Und sollte ich danach noch die Sterne punktförmig fotografieren wollen, so hatte ich auch dafür genug Zeit.

Nach kurzem Überlegen entschied ich mich dazu, mehrere Aufnahmen à 10min zu machen… So lange wie nötig. Ich lag bei einer Brennweite von mehr oder weniger 20mm, daher wusste ich bereits, dass es lange dauern könnte. Zu kurze Strichspuren sehen meiner Meinung nach unschön aus. Zu kurz, zu nervös. Wie ein Unfall zwichen Punkten und richtigen Strichen. Daher rechnete ich mit mindestens vierzig Minuten, also vier Aufnahmen.

Der weiche Untergrund liess die Kamera wackeln wenn ich mich zu stark bewegte, und so versuchte ich, knapp fünfzig Minuten ohne zu sehr zu wackeln neben der Kamera zu stehen und die Umgebung zu geniessen.Der See war so ruhig und der Himmel klar, der grosse Wagen war mühelos als Spiegelung im dunklen Wasser zu sehen.

Und dann… Lief am anderen Ufer, versteckt zwischen den Bäumen, eine Person mit einer starken Taschenlampe umher. Ihr Lichtkegel fiel auf den Bodennebel über dem See, und er begann zu leuchten. Nur jewels kurz, doch es reichte aus. Auf dem Foto leuchtete der Nebel, ohne dass die Taschenlampe sichtbar wurde. Zufrieden wartete ich ab, bis über fünfzig Minuten vergangen waren. Fünf Aufnahmen zu 600s oder mehr hatte ich, nun musste ich sie zuhause nur noch vereinen.

In der Dunkelheit, nur vom roten Licht meiner Stirnlampe erhellt, wechselte ich das Objektiv. Ich wollte noch punktförmige Sterne fotografieren, falls die Striche zu kurz geworden oder sonstwie unbrauchbar sein sollten.

 

Nach einigen weiteren Fotos (durch die offene Blende musste ich den Vorder- und Hintergrund separat fotografieren, um alles scharf zu haben… Auf dem obigen Foto ist auf das Bäumchen fokussiert) packte ich zusammen und machte mich wieder auf den Rückweg. Immer wieder schaute ich nach oben, und zwischen den Baumwipfeln waren unzählige Sterne zu sehen.

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