Der Tunnelblick – ein unangenehmer Besucher

Der Tunnelblick – ein unangenehmer Besucher

Bestimmt kennt das jeder: Man möchte ein bestimmtes Foto machen, doch es klappt nicht. Und dann kommt der Tunnelblick, und die Kreativität ist weg. Was dann?

Schon oft habe ich dieses Phänomen erlebt – zum Beispiel, als ich am Lac d’Emosson fotografierte. Oder am Étang de la Gruère wurde ich ebenfalls von ihm heimgesucht. Doch was ist das denn jetzt, dieser Tunnelblick?

 

Der Tunnelblick – wenn Frust entsteht

Ein steter Begleiter, doch meist hält er sich im Hintergrund auf: der Tunnelblick. Darauf wartend, im richtigen Moment den Geist mit destruktiven Gedanken zu infizieren und damit die Kreativität zu blockieren. Hat man beispielsweise ein bestimmtes Bild im Kopf und kann es nicht umsetzen vor Ort, greift er sich jeden den er kann und der sich dieser Gefahr nicht bewusst ist. Meist beginnt es damit, dass Frustration aufkeimt. Man gerät in gedankliche Spurrillen, fokussiert sich auf das, was nicht möglich ist, und verliert dabei immer mehr Möglichkeiten aus den Augen, die sehr wohl möglich wären… Und vielleicht eine noch viel besser wären. Bessere Blickwinkel als dieses eine Foto, das nicht machbar ist, an das man sich aber festklammert.

Doch man sieht sie nicht. Die Sicht verengt sich, bis man nur noch das sieht, was man nicht bekommt, was nicht funktioniert und was man nicht dabei hat. Man beginnt damit, die Umgebung nicht mehr neutral zu bewerten, sondern gleicht nur noch mit dem Bild im Kopf ab, das so nicht umsetzbar ist. Somit wird man immer frustrierter, weil ausgerechnet dieses eine Foto nicht funktioniert. Der Tunnelblick intensiviert sich, und man kommt an einen Punkt, an dem man jede Möglichkeit abtut, einfach weil man verzweifelt an dieser einen Idee festzuhalten versucht.

Dieser Frust kann durch alles mögliche ausgelöst werden. Falsche Ausrüstung dabei, nicht das erhoffte Wetter, der gedachte Blickwinkel funktioniert nicht, die Jahreszeit stimmt nicht, usw. usf. Doch viel zu schnell kann daraus Frust werden, und der ist ein offenes Tor für den Tunnelblick, der alles noch verschlimmert.

 

Im Dunkeln

Diesen Tunnelblick hatte ich schon oft, und vermutlich wird jeder früher oder später damit konfrontiert werden. Früher häufiger, inzwischen – seit ich mir dessen bewusst bin – glücklicherweise immer seltener. Selbst heute kann ich mich nicht vollständig davor schützen. Und meist erkenne ich seine Anwesenheit erst viel später. Und manchmal habe ich dann schon viele Momente verpasst, die ich ohne Tunnelblick hätte sehen können.

In diesem Zustand ist/wird man sich dessen wohl selten bewusst. Ohne es zu merken bleiben immer mehr tolle Gelegenheiten liegen. Ungesehen am Wegesrand, während man selbst mmer blinder wird, immer weniger sieht und sich immer weiter in dieser Spirale nach unten bewegt. Und unten angelangt, wird man die Sache abbrechen, zurückgehen und das Erlebte als misslungen betrachten. So weit sollte es nie kommen müssen. Aber manchmal, besonders wenn all dies noch unbewusst geschieht, kann man es nicht verhindern, an diesem Punkt anzukommen.

Und wenn alles schief läuft, dann wird man einen Ausflug als Zeitverschwendung betrachten. Dann kann es schnell passieren, dass man lange keine positiven Dinge darin finden kann. Doch all das lässt sich meist ganz gut vermeiden. Man muss sich dessen nur bewusst werden, und aussteigen aus dieser Spirale. Das klingt wie immer einfacher als es ist.

 

Eine einfache Frage

Es reicht bereits aus, sich eine einzelne Frage zu stellen, sobald man den ersten Frust aufkommen spürt. “Habe ich hier noch andere Möglichkeiten?” – befindet man sich bereits in einer Abwärtsspirale und hat einen Tunnelblick entwickelt, wird die Frage darauf eher immer mehr zu Nein! tendieren. Je stärker der Tunnelblick ist, desto frustrierter wird es sich anhören. Interpretiert man seine eigene Antwort darauf korrekt, wird man plötzlich feststellen, dass sich etwas tut. Man wird sich der Situation bewusst, und damit des Tunnelblicks.

Und dann… Kann man gegensteuern. Wer sich dessen bewusst ist, kann sich absichtlich umdrehen und in eine andere Richtung schauen. Man kann sich aktiv nach Alternativen umsehen und diese Abwärtsspirale anhalten. Und meist wird man dann feststellen, dass ganz viele Möglichkeiten um einen herum existieren, die man einfach nicht gesehen hat.

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