Landschaftsfotografie: Meine Objektive

Der Frage nach dem besten Objektiv für die Landschaftsfotografie bin ich bereits in einem anderen Beitrag nachgegangen. Hier möchte ich näher darauf eingehen, welche Objektive ich persönlich für die Landschaftsfotografie nutze.

Manche Fotografen schwören auf ein einzelnes Objektiv, das sie für den Grossteil der Zeit draussen nutzen. Man hat nicht viel Gepäck dabei, vielleicht ist nicht einmal ein Rucksack notwendig – die Jackentaschen reichen möglicherweise. Andere greifen liefer auf eine grössere Auswahl zurück und nutzen eine deutlich weitere Spanne an Brennweiten und Lichtstärken, weil sie sich nicht festlegen wollen oder die Möglichkeit möglichst vieles fotografieren zu können über den Komfort eines leichteren Rucksacks stellen. Ich gehöre zur zweiten Gattung und bevorzuge es, ein möglichst breites Spektrum nutzen zu können. Weil oftmals weiss ich noch gar nicht, was vor Ort dann am besten funktioniert. Durch Planung lässt sich vieles schon in etwa vorhersagen. Doch oft kommt es vor, dass vor Ort eine ganz andere Brennweite/Lichtstärke nützlich wäre, als die geplante. Und dann… Habe ich lieber eine Alternative zur Hand für solche Fälle.

 

Die Arbeitstiere

Canon EF 24 – 105mm f/4.0 L IS

Mein bevorzugtes Immerdrauf-Objektiv. Wenn ich mich irgendwo hin auf den Weg mache, dann ist immer dieses Objektiv drauf. Da ich oft auch schon unterwegs Fotos mache – nicht zuletzt um sie hier auf dem Blog zu benutzen – und deswegen nicht einschätzen kann, welche Brennweite ich voraussichtlich brauchen könnte, verlasse ich mich gerne auf ein Zoomobjektiv in diesem Brennweitenbereich. Ein für mich sehr guter Kompromiss zwischen “viel draufbekommen” und “nah ranholen”. Auch wenn ich in Wäldern unterwegs bin, bleibt meist dieses Objektiv auf der Kamera. Gerade in solchen Umgebungen kann es oft passieren, dass sich mal ein weiter Bildausschnitt, dann wiederum nur ein kleines Detail als interessant erweist. Und dann möchte ich nicht ständig das Objektiv wechseln müssen. Erst recht nicht, wenn ich dabei Wind und Wetter ausgesetzt bin. Deswegen bleibt dieses Objektiv an der Kamera.

Der Bildstabilisator ist ebenfalls enorm hilfreich. Immerhin erlaubt er mir, länger aus der Hand zu fotografieren… Was sich in niedrigerem ISO oder längerer Verschlusszeit bemerkbar macht. In vielen Situationen – gerade auf der “Durchreise” und ohne Stativ – recht hilfreich. Auf dem Stativ schalte ich diesen natürlich aus, damit er nicht selber Verwackelungen erzeugt. Aber ansonsten möchte ich nicht darauf verzichten.

Und die Offenblende von f/4.0 ist angenehm. Sicherlich nicht das lichtstärkste Objektiv, aber dennoch gut in der Lage, eine angenehme Hintergrundunschärfe zu erzeugen. Und meist nutze ich es sowieso mit f/8 – 11, um einen möglichst grossen Schärfebereich zu haben.

Staub- und spritzwassergeschützt ist es ebenfalls, was mir persönlich gerade bei einem solchen Immerdrauf-Objektiv wichtig ist. Weil oft genug sind Hin- und Rückweg alles andere als sauber und trocken. Alles in allem ist es ein für mich optimaler Kompromiss aus allem. Die f/4.0 sind ok, genau so wie der Brennweitenbereich. Brauche ich ein Objektiv mit anderen Eigenschaften, wird es bereits im Rucksack sein und dann vor Ort gewechselt werden. Das klappte bisher immer, egal bei welchem Wetter.

 

Canon EF 16 – 35mm f/2.8L II

Das robuste Allzweck-Weitwinkelzoom. Weitwinklig, lichtstark und durchaus wettertauglich. Es landet fast immer als Zweitobjektiv im Rucksack, meist in Kombination mit dem Canon EF 24 – 105mm f/4.0 L IS. Der weitwinklige Brennweitenbereich macht es für mich zum Objektiv der Wahl, wenn ich das Gefühl habe, dass 16mm reichen werden.

Die Lichtstärke macht es für mich nochmals attraktiver – gerade wenn ich bis in die Dunkelheit hinein unterwegs sein werde. Sollte ich Nachtaufnahmen mit Sternen machen wollen, greife ich oft darauf zurück – die f/2.8 erlauben schon so einiges bei Nacht. In den Bildecken werden Sterne allerdings nicht mehr ganz so punktförmig abgebildet. Das kann unter gewissen Umständen etwas störend sein.

Ein – für mich persönlich – kleiner “Nachteil” ist der Durchmesser des Frontgewindes. Durch seine 82mm Durchmesser ist es gewissermassen ein Aussenseiter. Alle anderen Objektive in dieser Auflistung – bis auf das 14mm – besitzen einen Durchmesser von 77mm. Das bedeutet für mich, beim Einsatz von Filtern jeweils einen zweiten Adapterring mitzuführen. Das ist zwar kein Problem und auch gewichtsmässig fällt es nicht auf, aber trotzdem benötige ich dadurch ein weiteres Teil.

 

Die Spezialisten

Canon EF 100-400mm f/4.5 – 5.6 L IS USM

Der Brennweitenbereich spricht eigentlich schon für sich. Wenn mir die 105mm für eine bestimmte Aufnahme nicht ausreichen, dann kommt dieses Objektiv zum Einsatz. Das ist in der Landschaftsfotografie zwar eher selten der Fall, aber immer mal wieder gibt es Situationen, die genau eine solch grosse Brennweite erfordern. Meist handelt es sich dabei dann um etwas weiter entfernte, einzelne Objekte, die ich gerne mit einer langen Brennweite hervorheben möchte. Das kann irgend ein farbliches Detail sein, aber auch zum Beispiel ein einzelner Baum.

Durch die hohe Brennweite ist die perspektivische Raffung ebenfalls von Bedeutung – diesen Effekt mache ich mir ab und zu gerne zunutze. Alles wirkt näher beieinander und flacher, was für äusserst interessante Bilder sorgen kann, wenn es denn die Situation erlaubt.

 

Canon EF 100mm f/2.8 L Macro

Ein Makroobjektiv – also eine Linse für sehr kleine Dinge, im Einsatz für sehr grosse Dinge wie Landschaften? Ja, absolut. Es ist sogar zu meinem Favoriten geworden, wenn ich Sternstrichspuren fotografieren möchte. Zum einen, weil ich mit 100mm nicht so lange belichten muss, um ansehnliche Striche zu bekommen (Je grösser die Brennweite, desto deutlicher/schneller macht sich die Erdrotation bemerkbar. Was für Sternpunkte ein Problem darstellt, ist für Strichspuren wiederum äusserst willkommen!). Was mit 14mm gut eine Stunde dauert, ist mit 100mm schon nach 15min erledigt.

Und zum anderen, weil mir die 100mm bereits einen recht kleinen Bildwinkel geben, mit dem das Hervorheben einzelner Objekte viel einfacher fällt, als mit einem Weitwinkelobjektiv.

Allerdings ist das eine rein persönliche Sache, dass ich dieses Objektiv dafür bevorzuge. Denn weder Lichtstärke noch Brennweite ist einzigartig. Doch für Strichspuren nutze ich meist eine Blende von etwa f/4.0 – 5.6. Dadurch nutze ich das Objektiv nicht bei vollkommen offener Blende, was der Bildqualität zugute kommt: weniger Vignettierung, mehr Randschärfe, usw.

Nicht direkt ein Nachteil, aber dennoch etwas, das man dabei natürlich nicht vergessen darf: Je grösser die Brennweite, desto windanfälliger wirds. Was bei 14mm nicht sichtbar ist, kann bei 100mm bereits für unsaubere, ruckelige Strichspuren sorgen.

 

Samyang 14mm f/2.8 ED AS IF UMC

Immer dann im Einsatz, wenn ich einen noch grösseren Bildausschnitt benötige, als mit dem 16 – 35mm möglich ist. Es ist auch das erste Objektiv in dieser Liste, welches komplett manuell – Blende wie auch Fokus – bedient wird. Bei Nacht ist die Lichtstärke von Vorteil, und ein eventueller Autofokus würde dann sowieso nicht mehr funktionieren.

Durch die fix verbaute Gegenlichtblende und den grossen Bildwinkel ist es mir nicht möglich, daran meine Steckfilter zu nutzen (100mm-Filter sind nicht gross genug, um nutzbar zu sein bei einer solchen Brennweite – sie decken nicht einmal den gesamten Bildwinkel ab), und starke Lichtquellen können seltsame Lichtreflexionen erzeugen, aber ich nutze es dennoch sehr gerne. Durch die Brennweite und den manuellen Fokus benutze ich dabei generell Live View zum Einstellen der Schärfe, und das mit einer 10x Vergrösserung. So kann ich relativ problemlos fokussieren, auch bei Nacht. Schon die kleinste Lichtquelle reicht dazu aus, z.B. ein heller Stern.

 

Samyang 24mm f/1.4 ED AS UMC

Das lichtstärkste und zweite vollständig manuelle Objektiv in der Liste. Ich benutze es fast ausschliesslich zur Fotografie während der dunklen Tageshälfte. Mal als bestes Objektiv zur Milchstrassenfotografie bezeichnet, gibt es inzwischen sicherlich viele Alternativen, welche eine zum Teil noch bessere Abbildungsqualität besitzen. Dennoch nutze ich es sehr gerne. Es ist kompakt, besitzt eine abnehmbare Gegenlichtblende mit einem 77mm-Frontgewinde, was sehr angenehm ist und den Einsatz von 100mm-Steckfiltern und Schraubfiltern ermöglicht.

Bei komplett geöffneter Blende können an sehr kontrastreichen Kanten unangenehme Farbsäume entstehen, was sich aber durch leichtes Abblenden aber bereits stark reduzieren lässt. Der Fokusring ist äusserst leichtgängig (bei meinem Exemplar; ich weiss nicht, ob das generell oder nur bei meinem so ist), was die Gefahr erhöhen kann, den Fokus nachträglich unbeabsichtigt zu verstellen.